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02.05.2019 | Studie für HK und FG-Bau zur Schulbauoffensive vorgestellt: Kosten, Herausforderungen, Chancen

Die wachsende Stadt Berlin investiert in Neubau und Sanierung von Berliner Schulen sowie weitere öffentliche Baumaßnahmen. Nach Jahren des Stillstands fällt dieses Engagement heute zusammen mit einer historisch hohen Auslastung des Baugewerbes.

Im Auftrag von Handwerkskammer Berlin und Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg e.V. haben wir die Auswirkungen geplanter Neubau- und Sanierungsmaßnahmen mit Schwerpunkt der Berliner Schulbauoffensive untersucht. Die Ergebnisse wurden nun in einem Hintergrundgespräch von Stefan Schwarz (Präsident Handwerkskammer), Klaus-Dieter Müller (Präsident Handwerkskammer Berlin) sowie Uwe Luipold (regioconsult) mit Vertretern der Berliner Presse diskutiert.

Unsere Analysen haben ergeben, dass die Kosten für die Schulbauinitiative mit ca. 7,9 Milliarden Euro deutlich höher als die veranschlagten 5,5 Milliarden Euro ausfallen werden. Zudem werden die Arbeiten aller Vorrausicht nach länger dauern, als vorgesehen. Dies ist vor allem auf Kapazitätsenpässe in der Verwaltung zurückzuführen.

Rund 4.000 Arbeitsplätze könnten im Baugewerbe alleine durch die direkten Effekte der Investitionen geschaffen werden. Gleichzeitig könnte sich Berlin zu einem Kompetenzstandort für den Schaulbau entwickeln. Die Voraussetzung: Die regionale Bauwirtschaft wird einen wesentlichen Teil der Baumaßnahmen übernehmen. 

Nicht nur in den Schulen, sondern auch in anderen Bereichen ist für die kommenden Jahren eine weiter steigende öffentliche Bautätigkeit zu erwarten: so wird u.a. in Hochschulen, Krankenhäusern, Bädern, Infrastruktur sowie weiteren Bereichen der dort vorhandene Sanierungsstau zu deutlich mehr Investitionen führen.

Mit Blick auf die die großen Herausforderungen, die mit der Bewältigung dieser größten Investitionsmaßnahme des aktuellen Berliner Senats verbunden sind, wurden mehrere zentrale Engpässe identifiziert:

  • Die Strukturen und Prozesse der öffentlichen Vergabe müssen deutlich verbessert werden. Die Taskforce der Schulbauinitiative ist hier ein guter Anfang, weitere Verbesserungen, beispielsweise im Bereich der behördenübergreifenden Kommunikation, sind jedoch notwendig.
  • Nach Jahren des Personalabbaus ist der Fachkräftemangel in der Verwaltung eine zentrale Herausforderung für die öffentliche Hand. Die Bemühungen auf Senats- und Bezirksebene die Personaldecke wieder zu stärken stoßen auf große Schwierigkeiten. Für die nächsten Jahre sind daher dramatische Engpässe zu erwarten.
  • Die öffentlichen Auftraggeber haben zunehmend Schwierigkeiten auf ihre Ausschreibungen auch qualifizierte Angebote zu erhalten. Dies liegt an den insbesondere für kleine und mittlere Betriebe unattraktiven Rahmenbedingungen öffentlicher Vergaben. Zudem übersteigen die vorgesehenen Losgrößen in vielen Fällen die Möglichkeiten der mittelständisch strukturierten Bauwirtschaft deutlich.
  • Um diese Herausforderung bewältigen zu können wird ein öffentlich-privates Commitment gefordert. Nur durch ein vertrauensvolles Miteinander von öffentlicher Hand und Unternehmen wird die Basis für die Realisierung von mehr Investitionen und Arbeitsplätze durch die Bauwirtschaft geschaffen.
  • Auf dieser Grundlage kann eine gemeinsame Initiative gestartet werden, die dazu beiträgt das Bauen wieder als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu erkennen, das Image des Bauens zu verbessern und damit auch die Attraktivität der Arbeitsplätze in baunahen Berufen zu erhöhen.

Über die Studie berichtet die Presse: